Was wir von dem fiktiven Superhelden Thor für unsere Lebenslagen lernen können

Was wir von dem fiktiven Superhelden Thor für unsere Lebenslagen lernen können
Wie die meisten Comic-Superhelden müssen ebenso der reale Mann und die authentische Frau von Heute ihre eigene Stärke, den Charakter – ihre Superkraft – wirkungsvoll einsetzen. Mit einem Blick auf die nordische Gottheit und ihre zwei weltweit bekannten Verfilmungen lassen sich einige Ansatzpunkte für einen harmonischeren Alltag herleiten.

Auf den Spuren der Entwicklung Thors
Neben wunderbaren Erkenntnissen, dass Licht unter Berücksichtigung von Spiegelflächen zu Laserstrahlen gebündelt sowie gerichtet werden können beziehungsweise dass Kälte unter Extrembedingungen dunkle Verbrennungen auf der Haut verursacht, können die beiden Blockbuster vor allem eine soziale und – obwohl Gott – dem Zuschauer eine menschliche Seite als Charakterentwicklung mit auf dem Weg geben. Wenn sich ein Mensch im Leben gefunden hat und seine Stärken kennen sollte, gilt es diese nämlich immer noch richtig zu dosieren – ein Superheld scheint sich eher zu entwickeln, als dass er in diesen Status hineingeboren wird – auch der Superheld des Alltags. Voller Stärke und mit einer individuellen Waffe als Machtsymbol – wie sich Thor mit seiner Rüstung, dem obligatorischen Superheldencape und dem Hammer von Mjölnir in der Hand präsentiert beziehungsweise der Mensch von Heute seinen Humor, mentale Stärke oder absolute Sicherheit in Bezug auf Outfits einzusetzen bereit ist – lässt sich die Demonstration der eigenen Person gern einmal für diesen Sicherheitsgedanken übertreiben.

Alleingänge des Helden Thor und des Alltagshelden
Wie der Titelheld müssen alle erst einmal lernen mit diesem Bewusstsein von eigener Stärke umzugehen – diese zu beherrschen und mitunter zu dosieren. Bereits in den ersten Minuten seines filmischen Auftritts kann der Zuseher feststellen, dass sich Thor – seiner Kräfte bewusst – in jede Situation stürzen möchte und bereits die nächste, noch größere, Herausforderung herbeisehnt. Dieser heldenhafte Ansatz wäre nicht so fatal, würde er mit ein wenig Selbstreflexion und dem Gehör für seine treuen Begleiter tatsächlich einhergehen. Dann würde er schnell merken, dass der erste Kampf gegen die Eisgiganten aussichtslos in einer Niederlage enden würde. Doch als Sohn Odins hält er selbstüberschätzt diese Option nicht für möglich. Mit ein wenig mehr realem Bezug zum Leben wird solch ein exorbitanter Heldenstatus wohl nicht innegehalten, dennoch verfallen wir gern einmal in dieselben Muster. Allein beim nächsten Teammeeting im Beruf, dem vorurteilsbelasteten Frust bezüglich einer Frage nach dem Weg oder manch verzweifelt unglücklich endendem Alleingang im Sportverein lassen hier klare Parallelen erkennen. Schnell kommt der Gedanke auf, alles zu jeder Situation zu beherrschen – meist zum Nachteil des großen Ganzen. Dabei sollte der Glaube an sich Selbst in keiner Weise geschmälert werden, wenn doch auch immer gleichzeitig die Gesamtsituation und das Umfeld in den eigenen Blickwinkel integriert werden.

Gewohnheit kann Freund und Feind sein
Mit der Zeit wird man merken, dass mancher Mensch auch hinter einem steht, wenn die eigene Heldenstärke gerade einmal nicht vorhanden scheint. Bei allem Schlechten ist Vertrauen einfach unersetzlich und nicht nur ein Ideal aus literarischen Vorgaben. Dies wird im ersten Film gleichfalls mit den drei Wissenschaftlern belegt, welche jede Menge Möglichkeiten zur Flucht haben und sich in unterschiedlichsten Situationen zu Thor wenden und für ihn entscheiden- während andere Begleiter doch einmal die Traufe nach dem Regen folgen lassen. Der Titelheld findet von seinem egozentrischen Weltbild innerhalb der zwei Streifen zu der Gemeinsamkeit – ein viel größerer Schatz gegenüber dem Heldenstatus. Dabei ist es unumgänglich, seinen eigenen Mikro – in Thors Fall Makrokosmos – zu öffnen. Auf diesem Weg lässt sich das Verständnis Anderer bezüglich der eigenen Sichtweisen, Gedanken und Handlungen aufbauen und die Gemeinsamkeit binden. Im Wandel der Zeit kann der Film des Weiteren sehr schön vermitteln, dass bereits bekannte Verhältnisse und Muster im eigenen Leben – vor allem aus egozentrischer Sicht zur eigenen Sicherheit – stets hinterfragt und nicht als unveränderlich betrachtet werden sollten. Dies wird am Zwiespalt der zwei Brüder – Thor und Loki – wunderbar aufgezeigt, vereinen sich hierbei die Bindung und Loyalität der Familie mit dem Konkurrenzverhalten um Macht und Neid des hinten Anstehenden. Viel zu spät erkennt Thor die Ränkespiele seines Bruders und muss daher nicht nur um sein Überleben, sondern die Existenz seiner idyllischen Welt bangen. Adaptiert auf die Kollegen im Arbeitsumfeld, die Mannschaftskollegen im Verein beziehungsweise die eigenen Freunde kann dies für Jeden Nerven aufreibende Überlebenskämpfe bedeuten und im intimsten Fall die Verletzlichkeit innerhalb einer Beziehung durch den Liebsten nach sich ziehen. Hier ist klar im Vorteil, wer über eine ausgebildete Sozialkompetenz verfügt. Dennoch kann Jeder seinen Bekanntenkreis fortwährend einstufen, um der verschleiernden Routine zu entgehen.

Neue Welten als Potenzial erkennen
Mit seiner Verbannung auf die Erde und der dazugehörigen Suche nach dem Hammer von Mjölnir bestreitet Thor einen Gang in ein neues Territorium – mit vor allem neuen Einflüssen der ihm unbekannten Einwohner. In neuen Welten muss man sich eben erst zurechtfinden. Ob im neuen Berufsfeld, in einer frischen Beziehung, bei einem gesellschaftlichen Hobby oder als Student in einer neuen Stadt, muss das Potenzial für die eigene Stärke erst einmal fixiert werden. Natürlich wäre er wie alle Menschen bei seinen neuen Kontakten gut beraten, seine toughe Stärke nicht in den Vordergrund zu stellen und seine Unverletzlichkeit zu demonstrieren – aber alle wissen wohl, dass diese Erfahrungen erst einmal gemacht werden müssen. So nützt es wohl Jedem, wenn er in dem neuen Job oder bezüglich der Vorstellung bei den Schwiegereltern der sozialen Komponente eine gewichtigere Rolle gibt anstatt als Alleskönner, Besserwisser und distanzierter Egoman zu gelten. Dann kann die Einarbeitung im neuen Arbeitsfeld oder die Aufnahme im erweiterten Bekanntenkreis ohne hinderliche Egotrips und Zurschaustellungen der eigenen Person viel harmonischer, effektiver und letztendlich für sich selbst schonender verlaufen. Zudem können unterschiedliche Sprachschätze die anfängliche Kommunikation und vor allem das Verständnis behindern. Neben allseits bekannten Handküssen und einem höflichen Umgang kann die Verwirrung eines Neuankömmlings eben herausfordernd sein. Dabei sind beide Seiten betroffen, sollten Alteingesessene ein wenig mehr Verständnis für eine neue Lage des Anderen aufbringen und selbst daran denken, wie sehr sie doch in solch einer Situation Hilfe benötigen würden. Auf der anderen Seite sollte sich der Mensch im neuen Umfeld ebenso von seinen Gewohnheiten als ultimative Erfahrung ein wenig distanzieren. Akzeptanz und Toleranz ist hierbei ein, im Film gut verstecktes, Ideal.

Unbekannte Situationen lassen neue Stärken keimen
Aus dem einstigen Draufgänger Thor ist mit weisem Blick auf den Sachverhalt ein Retter von neun Welten geworden. Dabei wirkt sein Kopf besonnener, da seine Stärke in Kombination mit seinen Mitstreitern auf das Ziel gerichtet ist – und nicht auf die Demonstration seiner eigenen Kraft. Thor streitet für den Frieden in allen neun Welten und nicht für den individuellen Erfolg. Sogar Thor kann aus gierigem und Hass getriebenen Anlass seinen Hammer von Mjölnir nicht beherrschen, er fördert seine Energie und Stärke aus seinem Antrieb heraus. Und dieser kann für eine Liebste, ein Projekt im Job oder als Mut in der Öffentlichkeit angegangen werden – dafür ist eine Stärke da. In jedem Projekt, in der eigenen Familie sowie in zahlreichen Situationen kann ein angemessenes Auftreten fernab des egozentrischen Individualismus eine wertschätzende und nützliche Komponente darstellen. Natürlich muss man dies in seinem Leben erst einmal lernen. Im zweiten Teil kritisiert der Titelheld im Kampf gegen den Dunkelelfen Malekith sogar das rigorose Übervertrauen seines Vaters Odin im bevorstehenden Duell der Geschlechter. Anstatt Asgard den bevorstehenden Untergang zu bringen, überlegt er fernab des Wissens seiner Heldenstärke sogar eine Kooperation mit seinem verhassten Bruder. Dies zeigt auch, dass ein erfolgreiches Konzept mitunter nur zutage gefördert wird, wenn man sich manchmal mit seinen Kontrahenten verbindet – eben für die Sache, nicht für sich. Mit dem Ablegen der sturen Eitelkeiten können verschiedene Kompetenzen zum Erfolg beitragen – das Private muss schließlich nicht in diesen Prozess integriert werden. Ein Mittelfeldass kann den edlen Pass zum einnickenden Stürmerstar setzen, obwohl die beiden sich nichts zu sagen haben. Noch familiärer gesehen, kann der stets erläuternde und Obacht oder Unwissen vorwerfende Vater dem Sprössling beim Bau der Gartenlaube der entscheidende, Gewinn bringende, Faktor sein – und es gibt noch sehr viele weitere Anwendungsgebiete.

Der Lebensweg ist wie ein unsichtbarer Bifröst
In Thors Welt ist ein besonderer Reichtum mittels neun verschiedener Welten gegeben. Wie im Blockbuster selbst formuliert, werden andere „Welten“ jedoch gern in eine Schublade gesteckt, sodass die Asen eben die Götter sind – und wer kennt solche allgemeinen Beschreibungen nicht auch, meist leider als Vorurteil gegen eine Nationalität oder in Verbindung mit Generationen, welche schon längst vergangen sind. Aber außerhalb der neun Welten steht der Bifröst auch für den Zugang zu sämtlichen Möglichkeiten. Als individueller Heimdall (Bifröstwächter) kann Jeder sein Leben und die darin befindlichen Wege – Möglichkeiten für unzählige Erfahrungen – sehen und seine Reise selbst einleiten.

Fazit
Tatsächlich hilft es dem Menschen, wenn er seine Superheldenstärke etwas zurückhält, die Entdeckung dieser durch Andere viel wertvoller sowie bewusster einbringt. Es ist recht überraschend, dass zum einen in Jedem ein mindestens kleiner Superheld mit individueller Stärke zu stecken scheint und zum anderen, dass auch ein budgetfixierter Hollywoodblockbuster bei einem zweiten Blick durchaus wertvolle Ansätze offenbart, welche der Zuschauer entweder aufnehmen kann oder im Actiongetümmel links liegen lässt.

 

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