Privatsphäre trotz Mediengesellschaft – Geht das?

Wir dürfen keine Information verpassen. Mit diesem Vorsatz melden wir uns überall an, sind überall dabei und lassen unserer Privatsphäre leider immer weniger Freiraum. Damit wir intime Momente ausreichend würdigen und dennoch Teil der Mobile Generation sein können, gibt es einige Punkte zu optimieren.

Es mag paradox klingen, aber gleich zu Beginn sollte festgehalten werden, dass die Privatsphäre zu einem gewissen Teil tatsächlich durch einen selber festzulegen ist. Aus diesem Grund sollte vorerst überlegt werden, ob der medial aktive Blogger vielleicht durch sein eigenes Wirken keine Zeit für sich zu fassen bekommt. Schnell sind Informationen an eine große Gemeinschaft, Cloud oder auch an Follower gegeben, welche individuelle Vorlieben und auch manche Tradition preisgeben – fast schon einer Einladung zum Stammlokal, der alltäglichen Joggingrunde oder auch dem öffentlichen Auftritt gleichkommend. Folgende drei Überlegungen könnten helfen, um der eigenen Privatsphäre gönnerhaft etwas mehr Bedeutung beizumessen.

Die Grenzen im Voraus zu stecken, sollte Freiheiten schenken

Ganz klar ist ein vorher abgestecktes Betätigungsfeld ein hilfreiches Mittel zur erfolgreichen Medialisierung der Gesellschaft. Dies fängt hierbei schon mit festgesetzten Zeiten für intermediale Kommunikationen an. Ein freier Abend mit der Ehefrau, keine Arbeit am Wochenende oder auch ausschließliche Präsenz in bestimmten Zeitabständen ergeben gleich drei wirkungsvolle Methoden, um nicht immer erreichbar beziehungsweise ablenkbar zu sein und vor allem einmal Zeit für sich und seine Liebsten zu finden. Eine gefragte Person kann seine Laudatio auf ein Thema nach vorher vereinbarten Terminen abgeben, aber niemals mitten im Affekt. Hierbei obliegt dem Betroffenen sogar die Demonstration einer kleinen pädagogischen Lehrstunde, wenn er nach und nach mit Konsequenz vermittelt, dass er nur zu bestimmten Thematiken und nur dann kommuniziert, wenn er es zur Verfügung stellt. Und auch trotz aller genialen technischen Lösungen und Applikationen der Smartphones können selbst errichtete Zeiten für die Zeit auf allgemeinen Internetseiten, in der Facebook-Gemeinde oder mit allen Newslettermails vorher abgestimmt werden. Diese eingerichteten Termine für die Zusatzinformationen beeinflussen den eigenen Arbeitsalltag und die Zeit in vertrauter Runde nun weniger. Dennoch bleibt der Handybesitzer notfälligen SMS oder sogar der anfänglichen Funktion eines Telefons – des Anrufes – immer zugänglich.

Social Media als Gefahrenquelle der Privatsphäre…

Gefährlich zeitraubend können einem auch sämtliche Social Media Plattformen werden. Da es hier leicht ist, das schnelle Handyfoto hoch zu laden oder auch immer wieder für ein optimiertes Profil Aufforderungen zur Erweiterung der persönlichen Angaben – manchmal ist sogar die Rede von einem sicheren Konto durch Angabe der Telefonnummer – zu leisten, wird dem Nutzer ein leicht zu handhabendes und scheinbar darstellerisches Wesen an die Seite geschenkt. Hier lassen sich schnell die Schnappschüsse der eigenen Wohnung, der Lieblingskneipe oder von wichtigen Freunden posten – dies kann ein schmaler Grat sein. Natürlich sollte sich jeder Teilnehmer solch einer Plattform gewiss sein, dass Lieblingsgerichte schnell abfotografiert und in das Internet gestellt werden. Am besten wird dies gleich noch mit der Lokalisation des Restaurants erledigt. Dann ist es nicht verwunderlich, wenn die Urlaubsfotos vor Ort die Abstinenz preisgeben, die Anschrift, der Wohnort sowie Bilder von der Straße oder dem eigenen Heim die genaue Destination offenbaren.

Welch Überraschung kann es dann sein, wenn die Rückkehr bei offener Wohnungstür nicht feierlich ausfällt. Zudem können Kontakte hinter künstlichem Profil immer von einer Art Lüge begleitet sein. Ob es die richtigen Namen oder die eigene Meinung in den verbalen Posts sind, kann sich der Leser oder Bekannte des Profils nie sicher sein – ein altes Problem des unpersönlichen Kontakts im neuen Zeitalter – die Privatsphäre angesichts intimer Fakten und Sichtweisen wird hierbei viel zu schnell aufgegeben, der Wert eines Privateigentums in Form der persönlichen Gedanken oder vertrauenswürdiger Informationen geht leider auch aufgrund der scheinbaren Mitteilungspflicht schnell zu verblassen. Vor allem durch die Abnutzung des Begriffes Freundschaft, seitdem es gilt die Freundesliste auf Facebook unendlich hochzutreiben und zu zeigen, dass alle 547 Freunde einen genauso gut kennen wie der eigene Bruder. Via Social Media werden mit dem Ziel noch umfangreicherer Hits und viel mehr positiver Kommentare die privaten Hüllen gern einmal fallen gelassen – der Wunsch nach eigenem Erfolg und mannigfaltiger Anerkennung macht den User somit abhängig und tatsächlich angreifbar. Statusmeldungen lassen den Benutzer klar bedeutend und wichtig erscheinen. Nicht selten schlägt sich diese Vernetzung auch negativ auf einzelne Opferprofile nieder. Sind es zu Beginn gern Ansammlungen zum Flashmob gewesen, treten immer mehr Hasswellen gegenüber Privatpersonen oder Firmen auf. Mitunter sogar als Konkurrenzsituationen heraus werden die Würde und das Sein der Betroffenen einfach schnell – meist noch im Affekt – heruntergetippt, die Hetze wird aufgeladen und auf einmal wissen alle 547 Freunde etwas, von dem die eigentliche Person keine Ahnung hat – der Preis der Vernetzung und der Verfall der Privatsphäre? – es liegt klar zu einem großen Anteil an jedem Nutzer selbst!

…und gleichzeitig Bühne für die Welt

Ein klarer Pluspunkt ist die scheinbar kostenlose Kommunikation mit weit entfernten Personen, welche dennoch im Herzen geblieben sind. Sollte es Freunde in die Welt hinaustragen, dann kann der Chat mit Ankündigung der Onlineverfügung eines wahren Freundes verlockender sein, um eine Unterhaltung zu starten, als wenn man langsam das Briefpapier zur Hand nehmen würde – obgleich das eine wunderschöne Art zu schreiben ist. Aufgrund der fehlenden Zeichenvorgabe kann das Abkürzen in der SMS und die harsche Hashtagflut durch Twitter überbrückt werden. Der Nutzen einer einfachen Kommunikation mit wirklichen Freunden ergibt sogar einen motivierenden und beflügelnden Mehrwert – und des Öfteren zeigen sich zeitliche festgesetzte Skype- oder Chatdates mit diesen vertrauten sowie geschätzten Personen als Zelebrierung einer ganz besonderen Privatsphäre. Es ist möglich, mittels eigener Vorgaben in diesem Bezug eine Tradition zu begründen, welche beide Partien viel eher in ihrer spontanen Terminplanung fest verankert berücksichtigen und daher bewusster wahrnehmen. Zudem können witzige Situationen oder Motive sowie Erlebtes einfacher geteilt werden – vor allem weil Bilder oft mehr sagen, als es unzählige Wörter vermögen. Ein weiterer Vorteil ist die Vernetzung in bestimmten Gruppen, welche nicht nur finanzielle Ersparnisse im internen Flohmarkt, der Tauschbörse oder den Sprung auf der beruflichen Karriereleiter dank separater Teams heraufbeschwören lassen. Es lässt sich schnelle erkennen, dass das richtige Maß ganz individuell, aber vor allem überlegt und bewusst gefunden werden muss. Die Erkenntnis, dass der eigene Wert bei lediglich aller drei Tage kundgegebenen Nachrichten nicht sinkt beziehungsweise ein eigenes Feedback, wie viele angeschaute Internetvideos, Stunden Scrollens in der News-Spalte und unabhängig durch das Netz gehangelte Suchen nach spontanen Hipsterwörtern tatsächlich einen Mehrwert gehabt haben und wie viele einfach nur ganz okay oder irgendwie witzig waren, erschließt die Notwendigkeit dieses Medialwahns, da man auch ohne ihn wohl einschlafen kann und den nächsten Tag auf sich zukommen lassen kann.

Das richtige Engagement bringt den lohnenden Erfolg

In vielen Jobs kann nicht wirklich von einem Ende des beruflichen Alltags gesprochen werden. Wenn überhaupt, scheint nur die Arbeit im Büro erledigt zu sein, der Aufgabenberg sich jedoch auch in die Freizeit und schrecklicher Weise nach Hause zu verlagern. Die Präsentation für das morgige Meeting, die Aktualisierung der eigenen Cloudspeicher oder das neue Werbevideo für das anstehende Produkt erledigen sich schließlich nicht von allein. Unregelmäßige Vorkommen dieser Zusatzarbeit können tatsächlich erstens aus der Routine des Alltages reißen und zweitens ebenfalls auf Verständnis der Familie und Freunde stoßen, jedoch sollten sie nicht Methode werden. Wer kennt es nicht? Schnell ist das vorzeitige Fazit gefällt, dass man zu einem guten Ende alles lieber selbst erledigen sollte, aber dies frisst nicht nur die persönliche Zeit zum Entspannen und Loslassen, es vernichtet meist auch die Qualität des abgelieferten Produktes. Wenn man sich einmal betrachtet, dass nicht alle Kanäle für jedes Projekt optimal sind und man zudem noch einen wenigstens kleinen Blick auf das Zeitmanagement legt, kann der Zeitaufwand verringert, die Effizienz gesteigert und die neu gewonnenen Privatsphäre gebührend zelebriert werden. Es ist tatsächlich nachweisbar, dass ein großer Einflusskreis mehr Kreativität, Qualität, Frische und Erfolg bringt – und dieser Einfluss ist in 18 Stunden an dem gleichen Projekt nicht so variantenreich zu erzielen wie in vertrauter Gemeinsamkeit während des Feierabends, in geselliger Runde oder bei einem privaten Hobby. Zusätzlich zu dem Beruf möchte man natürlich auch im Privaten nicht der Einzige sein, der die neuesten Informationen nicht kennt oder als Einziger über den aktuellen Trend nicht mitreden kann – aber dafür gibt es ja die persönlich planbaren Zeitfenster, in denen man diesem Drang nachgehen kann. Aus falscher Unabkömmlichkeit entsteht zudem schnell eine Art Abhängigkeit von Medienkanälen, welche den Hang zu vermeintlich neuen und relevanten Informationen aller Minuten offerieren – Paradebeispiele legen hier wieder Blogs und Social Media Plattformen vor. Wie soll man sich auf etwas konzentrieren können, an etwas Vergnügen empfinden oder sich auf eine Person einlassen, wenn es stetig bingt, aufleuchtet, summt oder klingt. Die Wertigkeit für alle Bereicherungen im Leben wird dadurch minimiert – fahrlässig minimiert, weil man sich für alle Betätigungsfelder nur die nötige Intention und den passenden Zeitrahmen setzen müsste, damit man nicht ständig von allen Seiten abgelenkt wird. Und so sollte sich Jeder einmal vor Auge führen, was er bei seinen siebzehn Blicken auf sein Handydisplay während einer fünfminütigen Wartezeit mit der besten Freundin an der Haltestelle tatsächlich für sich, seinen Tag, sein Leben oder als relevante Information mitgenommen hat?

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>