Im Gespräch mit Max Buskohl

Im Gespräch mit Max Buskohl

Max Buskohl, der Ex-Frontmann der Band Empty Trash, steht nun wieder mit Akustikgitarre auf der Bühne! Der frühere DSDS Teilnehmer, der bereits mit Größen wie Bob Geldof auf der Bühne stand, feilt fleißig an seiner Karriere und beantwortet uns in einem ehrlichen Interview Fragen zu seinen musikalischen Plänen und bisherigen Erfolgen.

Infinita: Lieber Max, vielen Dank dass du dich für ein Interview bereit erklärt hast. Wie sieht es aktuell bei dir aus? Befindest du dich eher in einer ruhigen Phase deiner Musikkarriere oder ist im Moment viel los?

Max Buskohl: Also ich bin im Moment im “Wiederaufbau-Modus”. Vor einem Jahr habe ich zum ersten Mal ein paar Konzerte alleine mit Akustikgitarre gegeben. Davor habe ich mir das nie so richtig zugetraut, weil ich mich immer gerne auf die Musikalität anderer verlassen haben. Wenig Selbstvertrauen meinerseits. Und so langsam habe ich darin Gefallen gefunden und habe im letzten halben Jahr bestimmt 40-50 Konzerte gegeben und spiele derzeit sehr viel auf der Straße. Und gerade habe ich auch meine Liebe für das deutsche Texten entdeckt. Somit ist das nächste Ziel eine neue Platte auf Deutsch. Wenn alles gut läuft wird diese nächstes Jahr fertig sein. Ich bin derzeit noch in der Schreibphase.

Infinita: Du bist nun seit drei Jahren Vater. Wie hat sich dein Leben seitdem verändert? Kann man sagen, dass du „reifer“ geworden bist?

Max Buskohl: Oh ich wünschte es wäre der Fall. Also ich glaube reifer bin ich nicht unbedingt geworden, leider. Sonst würde ich sicher mit der Situation anders umgehen. Ich bin verflucht der Musik nachzugehen. Aber meine Tochter ist fantastisch. Ich genieße jedes Gespräch mit ihr, auch wenn ich nicht immer ganz sicher bin worum es geht.

Infinita: Oft liest man im Internet, dass du bei DSDS aufgrund einer verlorenen Wette teilgenommen hast. Ist das richtig und bereust du den Einsatz inzwischen, in Anbetracht der Tatsache, dass du dadurch schon sehr gebrandmarkt bist oder nimmst du das Ganze eher als positive Erfahrung mit?

Max Buskohl: Nein ich habe die Wette gewonnen indem ich hingegangen bin und dann auch weitergekommen bin. Es ging also darum wer am weitesten kommt. Meine beste Freundin damals hat es leider nicht zum Recall geschafft, aber das ist auch besser so. Ich habe die Erfahrung damals gerne gemacht und bereue es keinesfalls. Ich habe mir oftmals darüber Gedanken gemacht und bin zum Entschluss gekommen, dass ich mich für nichts und garnichts schämen muss was ich damals gemacht habe. Die Einzigen, die es tun sollten, sind die Engstirnigen die andere dafür verurteilen, trotz des Talents. Klar ist es frustrierend 6 Jahre später eine fantastische Platte (“Sidewalk Konversation”) zu machen, 2,5 Jahre investiert zu haben, und dann von allen Medien: Radio, Magazine etc. ein einheitliches: ” Finden wir gut, können wir aber nicht machen” zu bekommen. Wenn sie mir sagen würden, dass die Platte scheiße ist, würde ich das akzeptieren. Wieso sollte ich etwas bereuen, wenn das Problem nicht direkt bei mir liegt?

Infinita: Würde es für dich jemals wieder in Frage kommen an einer Castingshow teilzunehmen oder hast du durch DSDS eine Castingshow-Phobie entwickelt?

Max Buskohl: Lass mich kurz nachdenken… Es ist doch überall das Gleiche, ob “The Voice”, oder “X-Factor. Die Verträge sind hart, und das Interesse der Menschen ist gering. Ich meine wenn der Gewinner von The Voice trotz 100,000 Facebook-likes im Lido (ca. 500er Kapazität) spielt muss man sich doch echt mal fragen was da los ist. Es ist auch ebenfalls interessant zu sehen, dass solche Facebook-Likes, die man sich durch eine solche Sendung ergattert, nur reine Profilierung der User ist. Damit ihre Freunde wissen, dass sie die aktuelle Staffel verfolgen und somit auch zeigen wollen wen sie davon unterstützen. ohne jemals auch nur einen Cent ausgeben zu wollen. Der Inhalt der Sendung ist in Ordnung, wird aber auch teilweise krampfhaft “kredibel” gehalten. Ich freue mich wenn ich dort tolle Songs höre und schöne Künstler sehe (wobei ich das eigentlich auch nicht schaue, schwierig ohne Fernseher). Danke, aber da spiele ich lieber auf der Straße und versuch mich selber nochmals aufzubauen. So wie es sein sollte.

Infinita: Du bist mit deinem Gesang bei der Jury von DSDS nicht immer auf positives Feedback gestoßen. Wenn du Dieter Bohlen heute noch einmal treffen würdest, was würdest du ihm sagen?

Max Buskohl: Nicht viel. Vielleicht auf eine verrückte Zeit anstoßen oder so etwas. Ich meine, es wurde ja nie persönlich bzw.habe ich es nicht so aufgefasst. Er hat seinen Job gemacht. Dafür wird er bezahlt. Dieses Format bzw. diese Sendung habe ich nie ernst genommen. Es war für mich Urlaub von der Schule. Dementsprechend habe ich mich da ausgetobt und hatte auch keine psychischen Probleme. Ich habe diesen Leistungsdruck der anderen Kandidaten nie nachempfinden können. Dieter weiß genau was ich meine und er würde dir sicher das Gleiche sagen.

Infinita: Nachdem du vor ein paar Jahren erfahren hast, wie es ist eine nationale Berühmtheit zu sein, genießt du es nun wieder kleinere Brötchen zu backen oder vermisst du den Rummel um deine Person?

Max Buskohl: Ich war damals 18 Jahre alt und mir hat das sicher Spaß gemacht erkannt zu werden. Vor allem weil ich unter anderem auch ein Image als DSDS-Dissident genießen durfte, was mir ein wenig Würde rettete. Das Blöde war, dass nachdem ich bei DSDS raus bin, ich ja kaum Kohle bekommen habe und somit nicht mal genug für Taxis. Auch meinen Führerschein habe ich bis heute nicht (außer Motorrad). Da war es doch oftmals anstrengend mit den Öffis zu fahren, weil man dann teilweise 6 Stationen später erst aussteigen konnte. Ich habe mich aber im Laufe der Zeit davon komplett distanzieren wollen. Ich habe mein Äußeres verändert, wenn auch nicht zum Vorteil, aber ich wollte einfach nichts mehr damit zu tun haben. Somit strebe ich jetzt mehr Bekanntheit für meine Musik an, als für mich als Persönlichkeit. Freue mich dennoch immer wieder wenn sich doch noch jemand erinnern sollte wer ich bin.

Infinita: Aktuell stehst du meistens alleine mit deiner Akustik-Gitarre auf der Bühne. Gefällt dir das Bandleben besser oder ist es für dich angenehmer alleine Erfahrungen zu sammeln?

Max Buskohl: Unfassbar gerne bin ich mit einer Band unterwegs. Das hat so ein ganz bestimmtes cooles Feeling, welches einem keiner nehmen kann. Die Unterhaltungen, Pannen, Mädels, Bus… und vor allem auf der Bühne das Zusammenspiel. Da kann ich mich auch mehr auf den Gesang kümmern. Alleine zu sein hat aber auch seinen Charme. Ich genieße die Einsamkeit wenn ich Unterwegs bin (meist in Zügen, Bussen oder per Anhalter) sehr und kann das gut umsetzen. Wenn man alleine unterwegs ist, ist man auch eher gezwungen mit fremden Menschen zu kommunizieren und zu interagieren bzw auf die Leute zugehen. Man kann also so auch unangenehmen Situationen nicht so leicht umgehen und das finde ich spannend.

Infinita: Derzeit gibst du ja auch Konzerte. Wie hoch sind die Besucherzahlen bei solchen Auftritten? Enttäuscht es dich, wenn mal weniger Zuschauer kommen als erwartet?

Max Buskohl: Immer sehr unterschiedlich. Ich habe immer die Philosophie, dass egal wieviele da sind, man alles geben sollte. Ich bin kein Fan von “schonen für den nächsten Gig” oder “ist ja eh keiner da”. Auch wenns nur zwei Gäste sind, sie haben sich die Mühe gemacht zu kommen und haben bezahlt. Also bitte. Auch wenn ich auf der Straße spiele. Wenn mal keiner da ist, singe ich trotzdem so, als ob 54,000 Zuschauer vor mir wären.

Infinita: Deine frühere Band Empty Trash hat sich nach einigen Jahren getrennt. Hast du noch Kontakt zu deinen alten Bandkollegen und wäre eine Empty Trash-Reunion denkbar?

Max Buskohl: Tatsächlich habe ich nur noch wenig Kontakt mit den alten Mitgliedern. Ich wollte letztes Jahr eine Reunion in Gang setzen, weil wir noch so viele Songs haben die wir nie richtig aufgenommen haben. Irgendwie echt schade. Aber unser Bassist hat absolut keine Zeit dafür und es hätte für mich nur mit Julius Sinn gemacht. Wir hatten es mit einem neuen Bassisten versucht, aber das war einfach nicht das Gleiche.

Infinita: Bei vielen Musikern beherrscht die Musik den gesamten Alltag. Wie sieht ein typischer Tagesablauf bei dir aus?

Max Buskohl: Ich habe keinen Tagesablauf. Noch nicht einmal Frühstück steht bei mir fest. Klar hat man so seine Termine, aber grundsätzlich versuche ich mich kreativ zu beschäftigen. Letztendlich hockt man echt lange vorm Computer um das eigene Booking zu machen, eigene Grafiken zu designen, Filme zu schneiden, Bilder zu bearbeiten usw.

Infinita: Inzwischen singst du auch auf deutsch. Viele Künstler die in verschiedenen Sprachen singen rutschen auch von ihrem Standard-Genre häufig ab. Inwiefern beeinflusst dich die jeweilige Sprache in der du singst?

Max Buskohl: Die deutsche Sprache lässt mich naivere Texte schreiben. Unmissverständliche und direkte Worte die, wenn es gut geht, auch dirket rein gehen. Noch taste ich mich herum, wo da die Grenzen sind. Derzeit glaube ich aber nicht, dass ich von “meinem Genre” abweichen werde. Ich habe sie bisher nur Akustisch gespielt und das meistens komplett alleine. Erst wenn ich dann mal eine Band zusammenkriegen sollte, um diese Songs endlich komplett zu hören.

Infinita: In der Vergangenheit bist du auch auf der Straße aufgetreten. Gibt es einen besonderen Moment den du als Straßenmusiker erlebt hast? Etwas was du nie vergessen wirst?

Max Buskohl: Also es gibt unglaublich schöne Momente. Die Augen zu öffnen, nachdem man einen Song gesungen hat und vor einem zwei Damen stehen, die zu Tränen gerührt sind und mir 25 Euro geben. Oder Menschen, die auf ihrem Weg zur Arbeit stehen bleiben, sich 5 Lieder anhören und dann 5 Euro reinwerfen und sich dann für das Privatkonzert bedanken. Aber das absolut Unfassbare ist mir noch nicht passiert.

Infinita: Früher hast du mal gesagt, dass dein großer Traum ist mehrfach um die Welt zu touren. Welche Teile der Welt hast du schon gesehen und wo würdest du gerne mal hin?

Max Buskohl: Puh… ja das beinhaltet leider auch ein wenig erfolgreicher zu sein, haha.  Kann ja noch werden, ne? Für meine Sidewalk Conversations Platte war ich viel in Amerika und England unterwegs, aber ansonsten war ich in letzter Zeit nicht viel unterwegs, außer in Deutschland. Aber da kenn ich jede Raststätte. Ich würde sehr gerne noch viel mehr sehen. Beispielsweise würde ich gerne nach Japan oder nach Uruguay.

Infinita: Möchtest du unseren Lesern zum Schluss noch etwas mit auf den Weg geben oder Infinita etwas sagen?

Max Buskohl: Ich bedanke mich für das Interviews und freue mich, wenn die Fragen ausreichend beantwortet sind. Bei weiteren Fragen könnt ihr ja mal an der Mauer in Berlin vorbeikommen oder zu einem Konzert in eurer Nähe kommen.

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