Im Gespräch mit Hämatom

Im Gespräch mit Hämatom
Bereits ihr zehnjähriges Jubiläum konnten Hämatom vor Kurzem feiern. Anlässlich dieses Events veröffentlichten die Band ihr neues Album „X“, welches größtenteils mit crashenden Coversongs gespickt ist. Wie es zu der Idee des Albums kam und welche Erwartungen sie an ihre aktuelle Tour haben, verraten uns die Jungs in einem exklusiven Interview.

Infinita: Liebe Hämatome, vielen lieben Dank dass ihr euch die Zeit für ein Interview mit uns genommen habt, obwohl ihr derzeit durch Deutschland tourt. Das Eröffnungskonzert gab es einen Tag vor Veröffentlichung des neuen „X“-Albums. Habt ihr die Termine bewusst aufeinander abgestimmt?

Hämatom: Jein, geplant war Anfang des Jahres ein früherer Release, aber wie so oft, haben sich leider die Aufnahmen verschoben. Also haben wir Release-Date und Tourstart zusammengefasst, was wir eine ganz coole Lösung fanden, da dann das erste Konzert – ein Tag vor Release – zu etwas ganz besonderem wurde, weil man die CD schon vorab erhielt. Da ja diese Jubiläums-Doppel-CD nur zwei neue und zahlreiche Cover-Nummern neben dem Best-Of-Material enthält, fanden wir das auch unseren Fans zumutbar. Bei einem Studioalbum mit 15 neuen Songs wäre es ratsam ein paar Wochen Vorlauf der CD vor Tourstart zu haben, damit sich das Material erst mal setzen kann.

Infinita: Auf eurer Tourliste stehen auch einige Auftritte in Russland. Weshalb ist Russland gerade im Trash-Metal Bereich immer wieder eine beliebte Option? Was macht einen Auftritt in Russland zu einem einzigartigen Erlebnis?

Hämatom: Den ersten Teil der Frage kann ich nur schwer beantworten und ich denke, dass in Russland alle Musikrichtungen ihre Fans haben. Also auch Deutsche Folk- und Punkbands touren dort vermehrt. Ich denke bei HÄMATOM ist für viele Russischen Musikhörer noch der Reiz der Deutschen Sprache ausschlaggebend, da hat uns auch Rammstein schon ein wenig den Weg geebnet. Und warum diese Reise ein einzigartiges Erlebnis wird, wissen wir leider auch noch nicht, weil es unsere erste Tour mit HÄMATOM in Russland ist. Aber unsere Erfahrung zeigt, dass natürlich das Touren außerhalb Deutschlands immer einen besonderen Vibe hat, eben wie unsere Gastauftritte in Bulgarien und Polen.

Infinita: Mit deutscher Musik im Ausland aufzutreten gehört für euch bereits zu eurem Bandleben dazu. Welches Land würdet ihr gerne mit eurer Musik erobern?

Hämatom:  Nachdem jetzt Russland im November folgt, wäre ich persönlich sehr interessiert in Amerika als nächstes zu touren. Wie würden wohl die Amerikaner auf unseren Sound abfahren? Das würde wirklich eine sehr interessante Erfahrung werden. Aber auch Japan stünde ganz oben auf meiner Wunschliste, da für dieses Land ja sehr verrückte Prognosen bezüglich der Fans ausgesprochen werden.

Infinita: In der Vergangenheit habt ihr mit einigen bekannten Künstlern zusammengearbeiten, darunter auch Pat von Fiddlers Green. Wie ist es zu dieser musikalischen Freundschaft gekommen und dürfen wir weitere gemeinsame Projekte in Zukunft erwarten?

Hämatom: Die Freundschaft zu Pat ist schon älter, als die Band HÄMATOM. Das heißt wir greifen hier auf eine lange Beziehung zurück und können somit mit ihm machen, was wir wollen :-). Er ist stets zu jeder Schandtat bereit und supportet uns immer wieder gerne, so sagt er. Die Verbindung ist letztendlich durch ältere Bands, also Vorgängerprojekte entstanden. Dabei sind wir Pat immer wieder über den Weg gelaufen. Auch in Zukunft schließen wir musikalische Gäste auf unseren CDs oder auf der Bühne nicht aus, aber es muss sich ergeben, es muss passen. Auf Biegen und Brechen wollen wir solche Zusammenarbeiten nicht erzwingen, dann lassen wir es lieber bleiben, wie eben auf dem aktuellen Album „X“, bei dem wir auch ohne Gastsänger ausgekommen sind.

Infinita: Auch Pat war vor Kurzem mit seiner Band Fiddlers Green in Russland auf Tour und hat euch sogar einen Videogruß von dort geschickt. Spricht man unter Kollegen über solche Reisen und checkt dadurch auch schon vorab ab, wie die Stimmung aktuell in Russland ist?

Hämatom: Klar werden da Geschichten ausgetauscht. Diese sind zwar meist wenig hilfreich oder informativ, was die bevorstehende Reise betrifft, aber immer wieder schön anzuhören. Und jede Geschichte aus Russland hat irgendwie mit Wodka zu tun. Kein Witz, dieses Getränk ist da immer gegenwärtig.

Infinita: Bei eurem Aufenthalt in Russland wird sicher auch mal das ein oder andere Gläschen Wodka vernichtet. Ist Alkohol bei Auftritten für euch ein No-Go oder ist er eine willkommene Option um Lampenfieber zu unterdrücken und sich vorab einzustimmen?

Hämatom: Von einem No-Go kann man in keinster Weise sprechen. Dennoch hat sich unser Verhalten in den letzten Jahren sehr geändert. In den Anfangsjahren standen wir eher selten nüchtern auf der Bühne, jetzt wird in der Regel nur eine kleine „homöopathische Menge“ zum lockern vor der Show getrunken. Die Musik ist auch komplexer geworden und die Show muss funktionieren, da kann man sich nicht wankend auf die Bühne stellen. Das ist teilweise schon Hochleistungssport, was wir mit den Masken auf den Kopf in vollen und heißen Clubs leisten müssen.

Infinita: Euer aktuelles Werkt „X“ ist am 17.10 erschienen und beinhaltet 22 Songs auf 2 CD’s. Das optische Highlight stellt das Metallcase dar. Was war der Anlass für dieses besondere Design?

Hämatom: Unser zehnjähriges Jubiläum hat nach was ganz besonderem verlangt. Da Gold als Material zu teuer war, haben wir auf das hübsche Blech-Case zurückgegriffen, obwohl natürlich das Edelmetall das würdigere Material gewesen wäre :-). Wir sind sehr stolz auf diese geprägte Verpackung, die ich in dieser Form noch nicht oft gesehen habe. Ein sehr edles Kästchen! Die limited Freak-Box war ja nochmal in einer großen Metallkiste verpackt, nebst dem Buch, welches einen schönen Rückblick der zehnjährigen Bandgeschichte unterbreitet.

Infinita: Durch eure Coversongs auf „X“ habt ihr nicht nur positives Feedback erhalten. Warum habt ihr euch für Coversongs und gegen eigene Stücke entschieden?

Hämatom: „X“ ist ein Album außerhalb der Reihe. Es ist das Jubiläumsprodukt der Band, ein Geschenk an die Fans und ein super Paket für Neulinge um HÄMATOM kennenzulernen. Unser Studioalbum KEINZEITMENSCH ist erst ein Jahr alt. Ein neues Studioalbum mit 15 eigenen Songs wäre in der Kürze der Zeit nicht in voller Qualität möglich gewesen. Weiter hat es uns sehr gereizt ein Album, wie dieses zu machen und der Zeitpunkt mit unserem Geburtstag war perfekt dafür. Außerdem gibt es ja zwei neue Songs neben den Covernummern und eine Pianoversion von unserem FREAK-HIT „Totgesagt doch neugeboren“ und dazu weitere zehn neu aufgenommene Songs aus der zehnjährigen Bandgeschichte, die in dieser Produktion auch nochmal moderne Frische erhalten haben. Also wirklich volle Packung! UND gerade die Coverversionen erhalten auch sehr viel positives Feedback neben den wenigen Kritikern.

Infinita: Wie geht ihr mit negativen Reaktionen eurer Fans um? Kümmern euch solche Kommentare oder seid ihr dennoch der Meinung, dass Coversongs die richtige Entscheidung waren?

Hämatom: Wie gesagt ist das eine Minderheit, aber klar, wir lesen jeden Kommentar und nehmen ihn auch ernst. Es wird auch ein neues Studioalbum kommen, wir sind jetzt keine Coverband geworden. Die Entscheidung zugunsten der Cover-Versionen finden wir aber genau richtig, weil sie uns selbst sehr gut gefallen und die Bearbeitung enorm Spaß gemacht hat. Wie gesagt aus Zeitgründen wäre die Alternative zu diesem Album KEIN Album gewesen!

Infinita: Viele haben euer Album schon Wochen vor der Veröffentlichung vorbestellt. Leider kam es zu Verzögerungen bei der Auslieferung, da noch kleine Mängel behoben werden mussten. Wer trägt die Verantwortung für diese Probleme und wie ärgerlich ist eine solche Angelegenheit?

Hämatom: Es ist ein Desaster, der volle Scheiß und wir haben noch keine Zeit gehabt, die Ursache dafür zu finden. Hier gibt es auch nichts schön zu reden. Wir waren die letzten Tage damit beschäftigt, Mails von auf das Produkt wartenden Fans zu beantworten, was ein Wahnsinn war. Also alles sehr ärgerlich und wir danken den verständnisvollen Fans an dieser Stelle.

Infinita: Neben Coversongs gibt es aber auch viele eigene Werke, die ihr in der Vergangenheit herausgebracht habt. Habt ihr alle den gleichen persönlichen Liebling oder unterscheiden sich intern da eure Geschmäcker

Hämatom: Hier gibt es Überschneidungen, aber auch individuelle Lieblingssongs der einzelnen Bandmitglieder. Das hat man bei dem Auswahlprozess der Songs für das Best-of-Album gemerkt. Bei Songs, wie „Totgesagt doch neugeboren“ oder „Leck mich“ waren wir uns alle sofort einig. Aber es gab auch andere Songs, die es dann durch internen Mehrheitsbeschluss auf das Album geschafft haben.

Infinita: Auch in Zukunft wird es sicher viel von euch zuhören geben. Welche langfristigen Pläne habt ihr? Was wäre für euch ein Highlight und mit wem würdet ihr gerne einmal zusammenarbeiten?

Hämatom: Nach der Deutschlandtour und der folgenden Russlandtour gibt es noch die große Geburtstagsparty am 26.12. in unserer Heimat. Hierfür haben wir befreundete Bands, wie KNORKATOR und EISREGEN eingeladen und wir selbst wollen uns mit unserer eigenen Show auch nicht lumpen lassen. Wir werden also nochmal aufstocken, bevor das Jahr 2014 sein Ende nimmt. Dann werden wir mal zwei Wochen durchschnaufen, bevor es an das Schreiben neuer Songs geht. Ziel ist es 2016 ein neues Studioalbum zu veröffentlichen, das wir folglich 2015 aufnehmen müssen. Und weil alles immer viel Vorlauf braucht, darf man mit dem Entwickeln neuer Songideen nicht zu lange warten. Große Pläne wären neben diesen CD-Hausaufgaben und das Touren in Deutschland natürlich unsere Auslandsaufenthalte auszubauen. Das ist eine spannende Abwechslung, die immer lustige Erlebnisse mit sich bringt. Was die oben gefragte Zusammenarbeit angeht, da gäbe es noch einiges , was seinen Reiz hätte: Supporttour mit Metallica oder CD mit Rick Rubin zu produzieren. 🙂

Infinita: Möchtet ihr unseren Lesern zum Schluss noch etwas mit auf den Weg geben?

Hämatom: Da Musik immer mehr sagt als tausend Worte, verweisse ich an dieser Stelle immer gerne auf unsere CDs und Videos. Bei wem also durch das Interview Interesse für HÄMATOM geweckt wurde, sollte sich musikalisch mit uns beschäftigen. Hierfür einfach mal im Netz mal reinhören und sich selbst ein Bild der Band machen. Gerade unser YOUTUBE-CHANNEL ist voll mit bewegten Bildern zu unserer Musik – Sowohl Coversongs, als auch Songs aus der eigenen Feder – Viel Spaß damit.

 

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